| Entretien avec Gaby Frantzen Heger, bourgmestre de Vianden |
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Tags: Bourgmestre | Vianden
| Magazine Echo 2007-6 | |||
![]() Vianden touristische Hochburg im Norden des Landes - Ein Gespräch mit der Viandener Bürgermeister Gaby Frantzen Heger über die Herausforderung historische Bausubstanz, Tourismus und Wirtschaftswachstum miteinander in Einklang zu bringen. ![]() Echo: Können Sie sich als Bürgermeisterin von Vianden kurz vorstellen?Gaby Frantzen Heger: Ich bin im fünften Jahr Bürgermeisterin von Vianden. Ich wohne in Vianden und bin ein echtes Viandener Mädchen, verheiratet und habe 2 Söhne. Ich bin Beamtin der EU und verwalte die Viandener Burg seit 25 Jahren. Irgendwann wollte ich dann noch etwas anderes machen und mich zusätzlich im Interesse der Ortschaft engagieren. Bei den vorletzten Wahlen kam für mich die Gelegenheit meine Kandidatur zu stellen. Ich kam auf Anhieb in den Gemeinderat, war vier Jahre lang 1. Schöffin und konnte mich so in die Gemeindegeschäfte einarbeiten. Mit der Mehrheit des Gemeinderates wurde ich dann im Jahre 2004 zur Bürgermeisterin ernannt. Nun bin ich in meiner zweiten Legislaturperiode. Ich habe eine gute Mannschaft, die nicht zum Selbstzweck arbeitet. Auch wenn eine Kommunualpolitikerin mit ihren Entscheidungen und Aktivitäten ihreneigenen Lebensraum gestaltet, ist sie in der Kommunalpolitik in erster Linie im Dienste anderer aktiv. Seit den letzten Wahlen haben wir viel für Vianden erreicht. Das alles geht nur mit kompetentem Personal,das Hand in Hand mit uns arbeitet. Ich habe keine Parteikarte, bin also neutral und hege keine nationalpolitischen Ambitionen. Gemeindepolitik ist die Essenz der Politik in all seinen Dimensionen. Probleme, die bestehen, müssen gelöst werden und oberstes Ziel ist dabei das Erreichen des Gemeinwohls. Echo: Was würden Sie als typisch für die Gemeinde Vianden bezeichnen?Gaby Frantzen Heger: Typisch für Vianden ist vor allem, dass es eine von der Geschichte und Tourismus geprägte Gemeinde ist. Diese beiden Dinge sind nicht immer einfach in Einklang zu bringen. Auch die Bürger müssen sich in diesem Konzept zurecht finden. Kultur und Geschichte bringen ganz viele Einschränkungen mit sich. Wir haben ein Baugesetz, das relativ konsequent ist. Nach dem Krieg war der Wunsch gross, die Wohnzimmer in Garagen umzugestalten. Unser Bautenreglement des historischen Stadtkerns erlaubt dies jedoch nicht. Auch unscheinbare Häuser, wie beispielsweise das frühere Haus eines Bauern oder eines Handwerkers, müssen genauso erhaltenswert sein wie vergleichsweise ein Patrizierhaus oder der Prunkbau einer Herrscherfamilie. Was beispielsweise die Farbgestaltung der Häuser anbelangt, so wird sich an den früheren Farbnuancen orientiert, wie sie hierzulande aus der Mischung Kalk und farbigem Sand entstanden. Die Bewohner Viandens wissen, dass ihr Städtchen stets Ort besonderer kultureller Ereignisse war. Es gilt dies im Rahmen einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung zu berücksichtigen Echo: Ist Vianden mehr oder weniger eine rein touristische Gemeinde?Gaby Frantzen Heger: Vianden hat keine Industrie. Seit Generationen in Vianden angesiedelte Handwerks und Familienbetriebe sind im Stadtkern in ihrem Wachstum eingeengt. Wer sich die Topographie von Vianden anschaut, sieht einen imposanten Mauerzug mit einem Grossteil seiner Türme um die historische Oberstadt, der sich wie ein nierenförmiges Oval auf einer Strecke von rund 1.150 m zieht. Rechts und links sind Hügel inmitten grüner Natur. Die Betriebe wollen sich vergrößern und neue Leute einstellen. Sie können es an diesem Ort aber nur in begrenztem Masse. Es wäre natürlich ein großer Vorteil für Vianden, wenn wir die Genehmigung für eine Gewerbezone erhalten würden. Direkt außerhalb von Vianden besitzt die Gemeinde noch 50 Hektar Land, das nicht genutzt wird. Darüber verhandeln wir mit den Ministerien. Am oberen Staubecken am Mont Saint Nicolas könnten wir ein kleines regionales Gewerbegebiet für die Ansiedlung unserer Betriebe einrichten. Dies wäre lebenswichtig für unsere Betriebe. So eingeengt wie jetzt können die Betriebe nicht mehr weiter arbeiten. Das ist auch eine Frage der Lebensqualität unserer Bürger. Man muß bedenken, dass jeden Tag Lastwagen durch Vianden fahren müssen. Die Betriebe liegen in der Nähe von Hotels und Campings, was für die Gäste nicht das Allerschönste ist. Wir können nicht allein vom Tourismus, der Kultur und der Geschichte leben. Wir brauchen unsere Betriebe. Dort sind 200 bis 300 Leute beschäftigt. Die dort arbeitenden Bürger kaufen die kleinen Häuser im historischen Stadtkern, die sie liebevoll gestalten. Wenn jene Leute nicht mehr hier arbeiten, werden die Häuser leer stehen. Das ist ein Teufelskreis, wo eins das andere nach sich zieht. Echo: Wie entwickelten sich in den letzten Jahren Kultur und Tourismus?Gaby Frantzen Heger: Vom Kulturjahr profitierten wir nicht. Das Kulturjahr hat sich hauptsächlich in der Hauptstadt und in der Großregion abgespielt. Hier im Norden war sehr wenig los.Was die Kultur betrifft, sind wir eine der schönsten mittelalterlichen Städte im Lande. Unser malerisches Burgstädtchen ist geprägt durch die mittelalterlichen Bauten und gehört zu den wenigen ehemals befestigten Orten in Luxemburg. Das restaurierte Schloss wird durchschnittlich von 200.000 Personen pro Jahr besucht. Wir waren also nicht unbedingt auf das Kulturjahr angewiesen. Gewisse Betriebe wie die Campings mußten, aufgrund des schlechten Wetters, letztes Jahr Einbussen erleiden. Im Schloss erreich erreichten wir ungefähr die gleichen Resultate wie die Jahre zuvor. Echo: Was waren für Sie die wichtigsten Projekte in den letzten Jahren?Gaby Frantzen Heger: Das wohl wichtigste und grösste Projekt der Gemeinde war und bleibt die Sanierung der zwei Hektar grossen Electrolux Brache. Die Firma, die auf diesem Gelände bis 1995 Kühlanlagen produzierte, ist nach Hosingen verlegt, weil sie in Vianden nicht wachsen konnte. Zwei Drittel des Viandener Geländes mussten saniert werden, wovon 50 Prozent der Sanierungskosten auf die Electrolux fielen und die restlichen 50 Prozent sich Gemeinde und Umweltministerium teilten. Es wurde eine in Luxemburg einmalige Sanierung in Angriff genommen. Es wird unterirdisch saniert, mit jährlichen Kontrollen, wobei das Gelände an der Erdoberfläche frei bleibt. Auf dem sauberen Drittel des Geländes, dem ehemaligen Parkplatz, soll ein neues Altenheim eingerichtet werden. Das restaurierte Viandener Altersheim liegt im historischen Kern der Ortschaft und eine Restaurierung mit modernem Ausbau wurde von der Denkmalschutzkommission verweigert. Zum Glück war die Gemeinder Besitzer des ehemaligen Electroluxgeländes. Das ist eines der wichtigen Projekte. Ein zweites wichtiges und kostspieliges Projekt ist die Sanierung der Nationalstrasse 10 sowie des Bahnhofplatzes. Diese Arbeiten sollten laut Planung über 4 Jahren dauern. Mangels hartem Winter kommen wir aber schnell voran. Das ist natürlich ganz wichtig für die Bürger. Das sind die besonders wichtigen Projekte, die natürlich eine große Menge Geld kosten. Echo: Wie sehen Sie die Zukunft von Vianden?Gaby Frantzen Heger: Die Zukunft von Vianden hängt ganz stark von der Gewerbezone ab. Es ist extrem wichtig, die Betriebe hier im Kanton aber ausserhalb der Ortschaft zu behalten. Ein wichtiges Projekt ist auch noch die Modernisierung des Möbelmuseums sowie die Neueinrichtung des Hauses ‚Dicks’. Im Haus ‚Dicks’war bis vor kurzem eine Spielzeug und Puppen Ausstellung zu besichtigen. Im Untergeschoss entsteht jetzt ein Bäckereimuseum mit einer Reihe von Exponaten einer ehemaligen Bäckerei. Die beiden Patrizierhäuser sollen, je nach finanzieller Lage, im Laufe von 4 Jahren, umgestaltet und modernisiert werden. Dann gibt es noch eine Privatinitative zum Bau eines Supermarktes. Wir haben uns für den Pacte Logement angemeldet. Vianden ist problemlos imstande von seinen 1.700 Einwohner bis auf 2.500 Einwohner zu wachsen, sofern natürlich die Handwerksbetriebe „delokalisiert“ werden. Echo: Ist die Burg für die Gemeindekasse eher ein Fluch oder ein Segen?Gaby Frantzen Heger: Die Burg von Vianden gehört nicht der Gemeinde sondern dem Staat. Es gibt dort 12 Mann Personal. Eine Gesellschaft ohne Gewinnzweck, namens ‚Les amis du château de Vianden’ verwaltet das historische Gebäude, organisiert die dortigen kulturellen Veranstaltungen, kassiert die Eintrittgelder, erhält jedoch keine Förderung vom Staat. Nach Abzug der Personal und Unterhaltskosten wird der Gewinn dem Staat zur Verfügung gestellt für weitere Restaurierungsmassnahmen. Die gesamte Restaurierung des Viandener Schlosses hat 22 Millonen Euro gekostet, wobei die Amis du Château de Vianden sich mit ca 10 Millionen beteiligten. Das Schloss ist daher keine Belastung für die Gemeinde sondern eine Bereicherung, weil es viele Touristen anzieht. Die Museen, 2 Campingplätze und ein offenes Schwimmbad sind hingegen sehr kostenaufwändig und nicht immer gewinnbringend. Vor zwei Jahren musste die bestehende Seilbahn durch eine neue Installation ersetzt werden. Die jährlichen Nutzerzahlen sind seitdem von 65.000 auf 85.000 Besucher gestiegen
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