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Tags: Bourgmestre | Niederanven
| Magazine Echo 2008-2 | |||
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Echo sprach mit dem Niederanvener Bürgermeister Raymond Weydert über die ungewöhnlich positive Entwicklung in seiner Gemeinde, die sich kaum Gedanken über Schulden machen muss.
Echo sprach mit dem Niederanvener Bürgermeister Raymond Weydert über die ungewöhnlich positive Entwicklung in seiner Gemeinde, die sich kaum Gedanken über Schulden machen muss. Echo: Könnten Sie sich dem Leser als Bürgermeister von Niederanven kurz vorstellen?Raymond Weydert: Ich bin seit Oktober 2001 Bürgermeister der Gemeinde Niederanven. In der vorherigen Periode war ich erster Schöffe. Im Jahre 1994 ging ich in die Gemeindepolitik. Ich wurde auf Anhieb in die CSV Liste gewählt. In der CVS/LSAP-Koalition bin ich dann erster Schöffe geworden. Im Jahre 2005 habe ich dann wieder haushoch bei den Bürgermeisterwahlen gewonnen und wir haben erneut eine CSV/LSAP-Koalition. Hauptberuflich bin ich Direktor des Remicher Weinbauinstituts. Ich habe auch mit der europäischen Weinmarktrefom zu tun. Seit Dezember 2007 gibt es ja eine neue, von Brüssel erlassene, Weinmarktreform, die wir hier in Luxemburg umsetzen. Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne. Der älteste Sohn ist selbst schon verheiratet. Ich habe ein 11 Monate altes Enkelkind. Echo: Was würden Sie als typisch für die Gemeinde Niederanven bezeichnen?Raymond Weydert: In früheren Zeiten war Niederanven eine landwirtschaftliche Gemeinde. Es gab damals viele landwirtschaftliche Betriebe. Es wohnten aber auch schon damals Bürger in Niederanven, die in der Stadt Luxemburg arbeiteten. Niederanven liegt nahe an der Stadt. Auf dem Senningerberg gab es Steinbrüche, wo viele Bürger arbeiteten. So war die Gemeinde Niederanven früher. In der Stadt und auf dem Kirchberg haben sich heute viele europäische Institutionen und Finanzinstitute niedergelassen. In den letzten 30 Jahren wurde in Niederanven sehr viel neuer Wohnraum geschaffen und die Landwirtschaft wurde immer mehr verdrängt. 1970 hatten wir 2.300 Einwohner. Heute haben wir 5.700 Einwohner. 48 Prozent der Bürger sind keine Luxemburger, da Niederanven nah beim Kirchberg liegt, wo es neben den europäischen Instutionen auch viele Banken gibt. In Niederanven gibt es rund 55 verschiedene Nationalitäten. Niederanven hat eine Fläche von 4.100 Hektar. Unsere Gemeinde liegt teilweise im Grünewald. Auf ein Naturschutzgebiet von 75 Hektar mit 23 verschiedene Orchideenarten sind wir sehr stolz. Es ist eine Art Aushängeschild für unsere Gemeinde. Ein Anteil des Flughafens liegt auf unserem Gemeindegebiet. Ein Flufhafen hat Vorteile und Nachteile. Er bringt beispielsweise eine gewisse Umweltbelastung mit sich. Echo: Ist Niederanven eine Schlafgemeinde der Stadt Luxemburg?Raymond Weydert: Ich würde Niederanven teilweise schon als Schlafgemeinde bezeichnen. Andererseits gibt es in der Gemeinde aber auch 61 aktive Vereine im Sport-, Sozial-, Kultur- und Freizeitbereich. Nichtluxemburgische Bürger integrieren sich ganz stark in diese Vereine, vor allem natürlich die Jugend. Echo: Was waren die wichtigsten Projekte der letzten Jahre?Raymond Weydert: 1994 wurde ein Altersheim für 158 Personen gebaut. Dieses Heim wurde in Kooperation mit den Gemeinden Walferdingen, Sandweiler, Contern und Betzdorf realisiert. Diese Gemeinden haben dort Betten reserviert. Es kostete eine Milliarde Franken und wurde zu 80 Prozent vom Staat subventioniert. Von 94 bis 99 wurde der soziale Wohnungsbau voran gebracht und 33 günstige Wohneinheiten eingerichtet. 2000 bis 2005 wurde die Schule vergrößert, da die Anzahl der Schulkinder wuchs. Zur gleichen Zeit entstand eine Musikschule und eine zweite Sporthalle. Die andere Sporthalle ist schon 25 Jahre alt. Ein Pfadfinderheim wurde nahe am Wald gebaut und das Fußballgelände komplett erneuert. 1997 kaufte die Gemeinde das in einem Park gelegene Haus Thorn um dort ein regionales, auch vom Kulturministerium mit getragenes Kulturhaus einzurichten. Daran schließt sich ein moderner Festsaal an. Neben der Kirche haben wir ein Jugend- und Multimediahaus eingerichtet. In der Maison Relais können Kinder von morgens 7 Uhr bis abends 7 Uhr betreut werden. Diese Maison Relais findet ein positives Echo in der Gemeinde. Echo: Wie sieht es mit den Infrastrukturen aus?Raymond Weydert: Durch den Wachstum in der Gemeinde mußten Infrastrukturen erneuert oder vergrößert werden, so zum Beispiel Wasserbehälter, Leitungen,Wege- und Straßennetz sowie Kanalnetz. Eine Industriezone für kleine und mittlere Betriebe nahe der Autobahn Richtung Munsbach ist in Gemeindebesitz und wurde nicht verkauft sondern günstig verpachtet. So können junge Handwerker sich dort günstig ansiedeln. Um den Flughafen am Senningerberg herum haben sich eine ganze Reihe Betriebe angesiedelt. Dies bedingt den gewissen Wohlstand, den sich die Gemeinde Niederanven in den letzten 10 Jahren aneignete. So konnte beispielsweise unser Nachholbedarf im schulischen oder kulturellen Bereich finanziert werden. Ferner baute man ein neues, im Januar 2006 eröffnetes Gemeindehaus. 1997 konnten wir das Gelände für das neue Gemeindehaus erwerben. Auf diesem Gelände haben früher internationale Pferderennen stattgefunden. In Zukunft wird der Wohnungsbau zu unseren Priroritäten gehören. In Niederanven kostet ein Ar fertig erschlossenes Bauland 70.000 bis 75.000 Euro. Das ist extrem teuer. Es gibt aber noch Bauland, wo man preisgünstigere Reihenhäuser und kleine Residenzen bauen kann, so dass junge Leute in der Gemeinde bleiben können und nicht alle wegziehen. In Senningen werden zur Zeit 61 neue Häuser gebaut, auf dem Senningerberg 37 neue Appartements. Echo: Wie entwickelt sich der Ort weiterhin?Raymond Weydert: Bis 2010 entsteht noch ein neues Schwimmbad. Ein Schwimmbad kostet aber viel Unterhalt, weshalb auch ein Wellness- und Fitnessbereich zum Bad gehören soll. So etwas ist bei den Bürgern heutzutage sehr gefragt. Rund um unsere Gemeinde herum gibt es zahlreiche beschilderte Wanderwege. Diesbezüglich arbeitet die Gemeinde mit dem nationalen Tourismusamt zusammen. Nationale Radwege führen von der Stadt her kommend entlang Niederanven bis nach Echternach. Echo: Wie kommt es dass die Gemeinde Niederanven überdurchschnittlich viele Vorteile bietet?Raymond Weydert: Ich wohne seit 33 Jahren in der Gemeinde Niederanven. Zu früheren Zeiten hatte die Gemeinde nicht so viel Geld und mußte schauen, wie sie über die Runden kommt. Die Peripherie des Flughafens hat sich im Laufe der Jahre kommerziell entwickelt und so wurden die Gemeindekassen immer voller. Das ist uns irgendwie schon in den Schoß gefallen. Durch einen Glücksfall kam der finanzielle Aufschwung. Bis jetzt hat die Gemeinde noch keine Schulden. Wir konnten alles aus eigenen Mitteln finanzieren. Das kann sich aber alles ändern, wenn man sich mal die wirtschaftliche Situation anschaut. Die desolaten Verhältnisse auf dem amerikanischen Bankensektor könnten auch Auswirkungen auf Europa und Luxemburg haben. Die Gemeinde Niederanven konnte aber einige Reserven für schlechtere Zeiten anlegen. Wie es langfristig weitergeht, ist schwer zu sagen. Die neue Landreform IVL fordert, dass die Gemeinden untereinander stärker zusammen arbeiten müssen. Das sind hier die Gemeinden Luxemburg, Niederanven, Schuttrange, Contern und Sandweiler. Eine Zusammenarbeit besteht aber schon, wie zum Beispiel eine gemeinsame Kläranlage oder Naturschutz. Echo: Was halten Sie von Wachstum und Fusionen?Raymond Weydert: Ich bin dafür, dass die Gemeinden zusammen arbeiten. Ich arbeite auch mit der Gemeinde Betzdorf zusammen. Eine Fusion mit der Gemeinde Schuttrange wurde schon mal diskutiert. Bei einer Fusion gibt es verschiedene Vorteile wie zum Beispiel gemeinsame Anschaffungen und Einsparpotentiale. Es gibt auch Nachteile. Die Bürger brauchen ein Zusammengehörigkeitsgefühl um gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen. Dies fehlt öfter noch etwas, gerade bei kleinen Landgemeinden. Die Bürger müssen sensibilisiert, informiert und erzogen werden, um in diese Richtung zu gehen. Das ist nicht immer einfach. Administration communale
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