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Echo sprach mit dem Frisinger Bürgermeister Claude Wiltzius über die von einem außergewöhnlichen Bevölkerungswachstum geprägten Gemeinde an der französischen Grenze
Echo sprach mit dem Frisinger Bürgermeister Claude Wiltzius über die von einem außergewöhnlichen Bevölkerungswachstum geprägten Gemeinde an der französischen Grenze Echo: Könnten Sie sich dem Leser kurz vorstellen?Claude Wiltzius: Ich wurde 1949 geboren und habe bis zu meiner Pensionierung vor 4 Jahren als Lokomotivführer, danach die letzten 7 Jahre bei der Direktion der Eisenbahn gearbeitet. Ich kam 1994 als zweiter Schöffe in den Gemeinderat. Von 1998 an war ich erster Schöffe. Seit 2006 bin ich Bürgermeister. Ich bin verheiratet, habe 2 erwachsene Kinder und bin stolzer Großvater von 3 Enkelkindern. Echo: Was ist typisch für die Gemeinde Frisingen?Claude Wiltzius: Typisch ist ein explosionsartiger Bevölkerungsanstieg. Von ungefähr 1980 an bis heute hat sich die Population mehr als verdoppelt. Im Jahre 1980 hatten wir zirka 1750 Einwohner in der ganzen Gemeinde. Heute leben hier ungefähr 3.600 Einwohner. Der Anstieg der Einwohnerzahl ist durch einen 1976 eingeführten neuen PAG bedingt, den wir noch heute benutzen. Es gibt noch eine Reserve beim bestehenden PAG. Wachstum auf zirka 6.000 Einwohner wäre möglich. Der PAG von 1976 war sehr weitsichtig und es wurde immer mehr Gelände zur Bebauung frei gegeben. Man baute hauptsächlich Einfamilienhäuser. Dadurch dass das Bauland so teuer geworden ist, sind Einfamilienhäuser aber kaum noch bezahlbar. Deshalb geht auch hier in Frisingen der Trend immer mehr in Richtung Mehrfamilienhäuser. Dadurch dass so viele Appartements gebaut wurden, wird die Einwohnerzahl wohl noch auf zirka 6.000 Personen anwachsen. So entstehen natürlich Probleme mit der Infrastruktur. Echo: Wie sieht es mit der Frisinger Infrastruktur aus?Claude Wiltzius: Aktuell sind 95 Prozent der Infrastrukturen neu, so zum Beispiel die Kanalisation, Straßen, Wassernetz, Gasnetz und Gemeinschaftsantennen. Man muß sehen, ob zukünftig der PAG noch erweitert werden soll. Wir rechnen damit, 2009 oder 2010 bei 4.500 Einwohnern anzukommen. Dann kommt die Kläranlage langsam an ihre Grenzen. Über andere Infrastrukturen wie zum Beispiel Schulen müssen wir uns Gedanken machen. Hauptsächlich junge Leute ziehen zu uns in die Gemeinde. Ich kann natürlich keine Prognose stellen, ob diese nun mit oder ohne Kinder kommen werden. Die Gemeinde Frisingen weist eine der jüngsten Bevölkerung des ganzes Landes auf. Von unseren 3.600 Einwohner sind 456 Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren. Wir fingen schon 2003/2004 an, eine Maison Relais zu planen. Im letzten September wurde die Maison Relais in Betrieb genommen und ist nun sehr stark besucht. Hellingen liegt uns am Herzen. Dort gab es in den letzten Jahren fast keinen Bevölkerungszuwachs. Dort stehen zwar noch Baugrundstücke zur Verfügung, die aber leider noch nicht freigegeben wurden. Wir wären froh, wenn sich Hellingen auch in diesem Sinne weiter entwickeln würde. In Frisingen und Aspelt dagegen wurden und werden öfters von einem Tag zum anderen Grundstücke zur Bebauung frei gegeben. Ein Teil unserer Neubürger versucht sich in Frisingen und Aspelt ins Vereinsleben einzubringen, was leider in Hellingen nicht der Fall ist. Das wird sich aber hoffentlich noch ändern. Echo: Wie wirkt die Nähe zu Frankreich auf den Verkehr?Claude Wiltzius: Typisch für Frisingen ist natürlich auch die Grenzlage. Hier gibt es verschiedene Hauptverkehrsachsen. Deshalb ersticken wir in Frisingen fast am Verkehr, was ein großes Problem ist. Tausende von Grenzgängern sind jeden Tag ins Land unterwegs. An der Grenze zu Frankreich haben wir einen großen Teil des Verkehrsaufkommens zu tragen. Täglich haben wir hier Megastaus. Dadurch haben die öffentlichen Verkehrsmittel Probleme die Fahrplanzeiten einzuhalten. Unser größter Wunsch ist die schnelle Lösung der Probleme mit der Saarautobahn. Wir haben leider als Gemeinde keine großen Möglichkeiten, die Verkehrssituation zu verbessern. Wir versuchen schon lange, in Zusammenarbeit mit den zuständigen politischen Gremien, die Grenzgängerproblematik in Bezug auf den Verkehr in den Griff zu kriegen. Die Grenzgänger nutzen aufgrund des zu kleinen Park und Ride – Parkplatzes an der Grenze ganz Frisingen, teilweise auch Aspelt als zusätzliche Parkplätze, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Arbeit zu fahren. Echo: Wie sieht es in Frisingen mit dem Gewerbe aus?Claude Wiltzius: Das ist eine heikle Frage. Es gibt in der Gemeinde diverse kleine Betriebe. Die Gemeinde besitzt fast kein eigenes Land und es ist für Betriebe sehr schwer an Bauland zu kommen. Bei der Planung des neuen PAG werden wir die Möglichkeit einer Gewerbezone mit den zuständigen Behörden diskutieren. Auch wenn Gemeinden mit Gewerbezonen, wie zum Beispiel Roeser oder Mondorf, an unsere Gemeinde angrenzen, hoffen wir doch in Zukunft im Zusammenhang mit der neuen Autobahn A13 auf eine positive Lösung. Wir haben zwar 8 Tankstellenbetriebe in der Gemeinde, die uns aber nicht viel Steuern einbringen, weil der Sitz dieser Tankstellen nicht in der Gemeinde liegt. Unsere kleinen Betriebe haben zum größten Teil keine bedeutenderen besteuerbare Umsätze. Finanziell gesehen sind wir zu 80 Prozent vom Staat abhängig. Trotzdem haben wir in den letzten Jahren enorm in der Gemeinde investieren müssen. Durch die vielen Investitionen sind die Gemeindeschulden stark angestiegen. Durch unsere guten Bilanzen im ordinären Budget ist dies aber für die Gemeinde kein gravierendes Problem. Wir hatten in all den letzten Jahren einen Überschuss und wenn die allgemeine finanzielle Situation in Luxemburg positiv bleibt, sieht es auch für die nächsten Jahre gut aus. Echo: Was sind ihre größten Projekte der letzten Jahre?Claude Wiltzius: Eines der größten Projekte in den letzten Jahren war der Bau der Frisinger Gesamt-Primärschule in den Jahren 91 bis 94. Die Investitionen für das Gasnetz, die Erneuerung der Straßen mit Infrastrukturen, die Renovation des alten Gemeindehaus, der Kirchen Hellingen und Frisingen sowie der alten Schule in Aspelt, der Bau einer Unterkunft für unsere Pfadfinder in Frisingen und eines Jugendhauses in Aspelt, die Einrichtung einer Kindertagesstätte in Hellingen, die Errichtung eines interkommunalen Schulschwimmbades sowie einer Kläranlage waren andere große Projekte. Das größte Projekt in den letzten Jahren war die Vergrößerung der Grundschule in Verbindung mit der Schaffung der Maison Relais. Ein nächstes Projekt ist die Errichtung einer großen Sporthalle in Frisingen. Nächstes Jahr soll es losgehen. In der Gemeinde gibt es zirka 20 Vereine, die aktiv zum kulturellen und sportlichen Leben beitragen. Je nachdem, wie es mit dem Bevölkerungswachstum weitergeht, müssen wir uns natürlich auch über neue Räumlichkeiten für Früherziehung und Spielschule Gedanken machen. Was den Sport anbelangt, haben wir ferner die Vision von einem zweiten Fußballplatz oder einem erweiterten Outdoor-Sportkomplex. Auch laufen Gespräche betreffend einer Renovierung des Aspelter Schlosses welches Eigentum der Gemeinde ist. Echo: Wie entwickelt sich der Sozialsektor in Ihrer Gemeinde?Claude Wiltzius: Wegen der Betreuung älterer Menschen gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Seniorenclub der Gemeinde. In diesem Zusammenhang haben wir unter anderem einen Versammlungsraum zur Verfügung gestellt, sowie einen Minibus angeschafft. Es gibt in Frisingen auch eine Einrichtung für ältere geistig behinderte Mitbürger, das Domaine Schoumansbongert, verwaltet von der Fondation Kräizbierg. Diese Einrichtung ist mit 56 Personen voll belegt. Unsere öffentlichen Gebäude sind fast zu 100 Prozent behindertengerecht eingerichtet. So besteht die Möglichkeit, mit einem Rollstuhl die Gebäude zu befahren. Behindertengerechte Toiletten sind vorhanden. Auch sind sämtliche von den Bewohnern benutzten Straßen samt Bürgersteige und Fußgängerpassagen an Behinderte angepaßt. So haben diese kein Problem mit der Mobilität. Vor 2 Jahren haben wir für diesen Einsatz sogar einen Preis erhalten. Wir sind noch dabei, verschiedene Plätze behindertengerecht zu gestalten. Wir haben 2 Bewohner aus dem Behindertenzentrum in die Chancengleichheitskommission eingebunden. So stehen wir andauernd in Kontakt mit unseren behinderten Mitbürgern. Echo: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Frisingen?Claude Wiltzius: Mein größter Wunsch ist, dass wir so schnell wie möglich die Probleme betreffend die Autobahn A13 in den Griff bekommen. Die gesperrte Auffahrt Richtung Remich in Frisingen und das fehlende Teilstück in Hellingen dürften viele Probleme lösen. Wichtig ist ohne Zweifel, dass auch der Park and Ride-Parkplatz vergrößert wird. Dies steht alles miteinander im Zusammenhang. In dieser Sache sprachen wir vor ein paar Wochen bei dem Minister Claude Wiseler vor, der uns seine volle Unterstützung zusagte. Ich wünsche mir auch, dass wir das Problem mit den hohen Preisen für Baugrundstücke in den Griff bekommen und die jungen Leute sich nicht für ihr ganzes Leben verschulden müssen. Dies ist nicht nur in Frisingen ein Problem. Ich hoffe, dass der neue PAG dazu beitragen wird, dass all unseren jetztigen und zukünftigen Mitbürgen eine Wohn- und Lebensqualität geboten werden kann, mit der sie zufrieden in unserer Gemeinde leben können. Das sind momentan die wichtigsten Angelegenheiten. Administration communale de Frisange
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