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Remich - Entretien avec Jeannot Belling, bourgmestre Imprimer Envoyer

Tags: Bourgmestre | Remich

Magazine Echo 2007-6
Jeannot Bellig

Echo: Könnten Sie sich als Bürgermeister der Stadt Remich kurz vorstellen?

Jeannot Belling:

Ich wurde 1952 geboren und bin seit 11 Jahren Bürgermeister. Ich bin in meiner 5ten Amtsperiode, genauer gesagt seit 26 Jahren, für den Gemeinderat tätig. Ich war während 5 Jahren Abgeordneter der DP in der Abgeordnetenkammer. Im Moment bin ich weiterhin Dienstleiter der Pressestelle der Zollbehörde. 

Echo: Was ist typisch für die Gemeinde Remich?

Jeannot Belling:

Remich ist eine Stadt und gleichzeitig die kleinste Gemeinde des Luxemburger Landes. Der eigentliche Charme von Remich liegt eher in den Gassen und weniger bekannten Ecken. Leider sehen die Touristen diese Orte kaum. Zwecktouristen kommen natürlich tanken und in die Supermärkte einkaufen. Nationale und internationale Touristen spazieren sonntags auf der Uferpromenade und sitzen auf den Terrassen am Moselufer. Der Charme von Remich liegt allerdings gerade in den kleinen Gassen mit extrem schönen historischen Fassaden, Wegkreuzen und Kapellen, die weder Touristen noch jene Bürger kennen, die oft schon seit 30 Jahren nach Remich kommen. 

Echo: Wie hat sich der Tourismus in Remich während den letzten Jahren entwickelt?

Jeannot Belling:

Da wir keinen Camping (Zeltplatz) mehr haben, gibt es hier nun eine andere Art von Tourismus. Einen Camping der Klasse Eins finden Touristen jedoch in Nenning. In Apach und Sierck les bains gibt es ebenfalls einen großen Camping. Wir sind eigentlich Vorreiter der Grossregion, weil Deutschland, Luxemburg und Frankreich am Dreiländereck nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Wir haben jetzt Synergien, die es früher so nicht gab. In der Nachbargemeinde Nennig gibt es ein sensationelles römisches Mosaik zu sehen. Trotz europäischem Renommee wissen viele Bürger dies aber nicht. Der Tourismus hat sich vor allem darin geändert, dass es in Remich keine Langzeittouristen mehr gibt. Touristen kommen für drei oder vier Tage nach Remich und übernachten in einem Hotel. Weil es in Remich schön ist, erkunden sie von hier aus das Land. Diese Touristen verbringen lieber mehrmals ein paar Tage in Remich statt einen längeren Urlaub. Früher blieben die Touristen 3 bis 4 Monate auf dem Camping. Dies gibt es heute nicht mehr. Es kommen heute mehr, dafür aber ganz andere Touristen. Aktuelle Statistiken zeigen zum Beispiel, dass heute wesentlich mehr Franzosen und Holländer als früher kommen. Der Tourismus entwickelt sich aber nicht überall im Land in diese Richtung. 

Echo: Was sagen Sie als Bürgermeister dazu, dass die Bürger sich oft über Staus in Remich beklagen?

Jeannot Belling:

Selbstverständlich gibt es in Remich oft Staus, so wie in allen Grenzortschaften mit Ortseingang direkt an der Grenze. Es herrscht von beiden Grenzländern her kommend viel Verkehr. Man muß den Verkehr so regeln, dass alle Fahrer zufrieden sind ohne dabei die Fussgänger zu vergessen! In Remich überqueren täglich ein paar tausend deutsche Grenzgänger die Grenze. Deren Fahrgemeinschaften benötigen hier viele Parkplätze. Gerade zwischen 17 und 19 Uhr staut sich der Verkehr.Wer Arbeitsplätze will, muß dies in Kauf nehmen. Das geht eben nicht anders. 

Echo: Gibt es in Remich viel Gewerbe?

Jeannot Belling:

Es gibt in Remich sehr viel Gewerbebetriebe. Ähnlich allen Grenzstädten haben wir hier vor allem Tankstellen sowie Zigaretten, Kaffee und Alkohol verkaufende Geschäfte. Bedingt durch die Nachbarschaft zu Deutschland, wo es beispielweise in Nenning und der ganzen Gemeinde Perl nur noch einen Metzger gibt, kaufen viele Deutsche bei Remicher Metzgern ein. Remich ist eine kommerziell ausgerichtete Stadt. Wir leben nur zum Teil vom Tourismus. Dem Tourismus folgt daher der kommerzielle Aspekt. Das ist ganz klar. Weinanbau gibt es ebenfalls noch im Ort. Remich ist der Sitz des nationalen Weinbauinstitutes. Remich hat ein paar ganz bekannte Lagen, darunter beispielsweise den Primerberg. 

Echo: Es wird in Luxemburg immer vom Wachstumsgedanken geredet. Soll Remich wachsen?

Jeannot Belling:

Wachsen ja, aber gemäßigt. Wir sind eine IVL-Gemeinde. Das heißt, dass wir verpflichtet sind, einmal die Zahl von 5.000 oder 5.500 Einwohner zu erreichen. Aktuell leben hier ungefähr 3.350 Einwohner. In den letzten 5 Jahren stieg die Einwohnerzahl um rund 10 Prozent. Das ist ein normales Wachstum. In Remich gibt es über 70 Prozent unbebaubare Hanglagen. Wir müssen aus Platzmangel also vorwiegend in die Höhe bauen. Dank in bestehende Lücken gebaute Häuser könnte die Zahl von 5.000 bis 5.500 Einwohner erreicht werden. Dann müßten wir allerdings die Schulen und anderen Infrastrukturen erneuern. Ich frage mich aber, wohin wir dies alles bauen sollten? Ich bin somit gegenüber einem starkem Wachstum relativ skeptisch. 

Echo: Wie empfinden Sie als Bürgermeister die Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich?

Jeannot Belling:

In Schengen besteht eine direkte Nachbarschaft zu den Deutschen und Franzosen. Absprachen mit Nennig, also der Gemeinde Perl, laufen seit Jahrzehnten übers Telefon. Wenn wir etwas zusammen organisieren, klappt das einwandfrei. Mit den Franzosen ist dies etwas schwieriger, weil sie immer Genehmigungen aus Paris brauchen. Wir können daher mit der Gemeinde Perl spontanere Aktionen organisieren. Die französischen Gemeinden haben weniger Geld für solche Aktionen zur Verfügung. Die Zusammenarbeit mit den Deutschen und Franzosen klappt aber gewöhnlich einwandfrei.

Echo: Welche Projekte wurden von Ihnen in den letzten Jahren in Angriff genommen?

Jeannot Belling:

In den letzten 10 Jahren wurden ungefähr 6 Kilometer Kanalnetz und Wasserleitungen erneuert. In Teilen von Remich gibt es Fernwärme und Gasleitungen. Touristisch bedeutende Elemente wurden neu gestaltet. Wir bauten den kontrovers diskutierten neuen Platz am Moselufer. Die Geschäftsleute befürchteten Umsatzeinbussen durch den neuen Platz. Seither sitzen aber viel mehr Touristen auf den Terrassen am Moselufer. Über 500 neue Parkplätze entstanden am Moselufer. Der Bau des neuen Schwimmbads beginnt im Juni 2008 und wird ein ganzes Jahr dauern. Unser Schwimmbad bleibt dsshalb ein ganzes Jahr lang beschlossen. Aus der Eispiste mit ihren zu hohen Betriebskosten ensteht ab Juni 2008 im Rahmen einer grossen Baumassnahme ein neues regionales Jugendzentrum. Die Esplanade genannte Uferpromenade wird komplett neu gestaltet werden. Entlang der Mosel soll ein Hochwasserschutz entstehen, der gegen Hochwasser mit einem Pegelstand von 5,60 Meter schützt. Beim grossen Projekt der Kläranlage warten wir nur noch auf die Absegnung des entsprechenden Gesetzes durch die Abgeordnetenkammer. Dann kann die definitive Phase der Realisierung beginnen. 

Echo: Wie sehen Sie die Zukunft der Stadt Remich?

Jeannot Belling:

Ich denke, dass Remich sich in Zukunft natürlich vor allem bautechnisch weiter entwickelt. Man muss aber aufpassen, dass der ländliche Raum immer erhalten bleibt. Die ökonomische Evolution wird vermutlich ein wenig stagnieren. Ganz klar müssen wir unsere Gewohnheiten ändern. Was beispielsweise die Isolation der Häuser anbelangt, müssen wir als Gemeinde mit gutem Beispiel voran gehen. Die Zukunft von Remich sieht weder rosig noch schlimm aus. Es wird mehr oder weniger genauso wie immer weiter gehen. Bei einer größeren ökonomischen Stagnation werden die Bürger vielleicht auch wenig ruhiger. Wir könnten dann wieder eine idyllischere Stadt werden die Bürger vielleicht auch wenig ruhiger. Wir könnten dann wieder eine idyllischere Stadt wer den. Vor 40 Jahren hatten die Bürger noch die Zeit, sich einen guten Morgen zu wünschen und zu unterhalten. Die Stadt wird heute immer mehr zu einem Ort, wo die Bürger zwar wohnen, aber nicht mehr am Gemeindeleben teilnehmen. Die Kinder halten sich von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends in Auffangstationen auf. Viele Eltern geben ihre Kinder morgens ab, holen sie abends ab, gehen nach Hause, essen und schauen fern. Die Zeiten, wo die Bürger noch in Vereine gingen und nachher gemeinsam ein Glas tranken, sind mehr oder weniger vorbei. Die Bürger haben heute einen anderen Weg gewählt, vergleichbar dem japanischen Weg. Das heißt, so wenig Ferien wie möglich, viel arbeiten und in kurzer Zeit möglichst viel Geld verdienen, um die eigenen Wünsche zu erfüllen. Sie fangen oft erst mit 60 Jahren an, ihre Freizeit zu genießen. Früher haben die Leute das Leben an allen Tagen genossen. Nach der Arbeit folgte die Freizeit. Damals war die Freizeit billiger. Man ging zum Beispiel angeln oder spazieren. Heute ist Freizeit teuerer. Die Zukunft von Remich wird nicht schlecht werden. Wir schufen die notwendige Basis und bauen nun darauf auf

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