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CFL und der Wandel der liberalisierten Märkte Imprimer Envoyer

Tags: Luxembourg

Magazine Echo 2008-1
CFL

Echo sprach mit Alex Kremer, Generaldirektor der luxemburgischen Eisenbahngesellschaft CFL, über die aktuelle Entwicklung des luxemburgischen Bahnwesens.Wir kauften neue Loks, Triebwagen und Wagen für unseren Personennahverkehr. Dabei wurde darauf geachtet, rollendes Material zu kaufen, das polyvalent über unsere Landesgrenzen hinaus einsetzbar ist.

Echo: Was unterscheidet die heutige CFL von der CFL in früheren Jahren?

Alex Kremer:

Die heutige CFL orientiert sich an den EU-Bestimmungen betreffend die Liberalisierung des Güterverkehrs der Bahn vor einem Jahr. Diese Vorschriften erlauben es Bahngesellschaften über ihre nationalen Grenzen hinaus auf anderen Streckennetzen zu fahren. Früher haben die Bahngesellschaften Strecken, Infrastruktur und Fahrbetrieb in ihrem Land als Paket betrachtet und mit den Bahngesellschaften anderer Länder kooperiert. Seit einem Jahr hingegen können die Bahngesellschaften fremde Netze gegen Entrichtung einer Mautgebühr befahren und beim Nachbarn mit eigenem finanziellen Risiko Züge fahren lassen. Daher wurde die zu einem Drittel Arcelor-Mittal und zwei Drittel CFL gehörende neue Gesellschaft CFL cargo gegründet. Arcelor stellt den grössten Kunden dar, der früher bereits 80 Prozent des Frachtaufkommens darstellte. CFL cargo bewegt sich immer mehr auf fremden Netzen und zwar sowohl in Form von Kooperationen wie auch in Konkurrenzsituationen. Wir bewegen uns auf dem italienischen Netz und kooperieren dabei mit der schweizerischen Bahngesellschaft SBB. CFL cargo besitzt eigene Firmen in Deutschland. Unsere Firma CFL cargo Deutschland hat eine Lizenz zum Befahren deutscher Strecken, während CFL cargo Dänemark Strecken des dänischen Netzes befährt. Wir arbeiten weiterhin mit der belgischen Bahn zusammen. Wie man sieht, ist die CFL heute eine ganz andere Gesellschaft als früher.

Echo: Wie wirkt sich dies auf die Transporte aus?

Alex Kremer:

Man kann die aktuelle Lage mit dem Strassenverkehr vergleichen, wo eine Spedition nach Spanien oder Polen fährt und dabei streckenweise Mautgebühren zahlen muss. Es ist daher für uns wichtig, wo möglich, auf dem Rückweg weitere Ladungen zu transportieren um Leerfahrten zu vermeiden und dadurch Unkosten zu senken. Wir bauen daneben unsere Logistikaktivitäten in Bettemburg weiter aus. Unsere Züge können in einer Halle be- und entladen werden. Dort kann auch die Ladung auf Lastwagen umgeladen und zum Kunden geliefert werden. Unsere Logistikaktivitäten sind in den letzten Jahren derart angestiegen, dass die Zahl der Beschäftigten dort von 20 auf 100 Leute aufgestockt wurde. Unsere nationale Bahngesellschaft muss angesichts dieser Entwicklung kommerzieller denken, um sich auf dem liberalisierten Markt behaupten und wachsen zu können. Als Eisenbahngesellschaft hat man es in Luxemburg wegen der Größe des Landes etwas schwerer als andere Eisenbahngesellschaften im Ausland, da die Bahnstärken erst ab 300 bis 400 Kilometer langen Fahrten richtig zum tragen kommen.

Echo: Gehört die in Bettemburg tätige Bahngesellschaft Lorry-Rail ebenfalls zur CFL?

Alex Kremer:

Wir sind an der Gesellschaft Lorry-Rail beteiligt, die Lastwagen ab Bettemburg auf einem Zug Richtung Perpignan transportiert. Nach fast 1.000 Kilometer Fahrt durch die Nacht, werden die Anhänger vor Ort von Zugmaschinen abgeholt und zu den Kunden transportiert. Der Wunsch nach diesen Fahrten richtet sich sehr stark nach den Staus auf den Autobahnen und den auferlegten Einschränkungen und Fahrverbote im Rahmen der Anstrengungen zur Verbesserung der Umwelt. Es wird in Zukunft mehr solcher Transporte geben und der Anteil der Ladungen von der Strasse auf die Schiene wird weiter wachsen.

Echo: Wie entwickelt sich der öffentliche Personennahverkehr?

Alex Kremer:

Wir kauften neue Loks, Triebwagen und Wagen für unseren Personennahverkehr. Dabei wurde darauf geachtet, rollendes Material zu kaufen, das polyvalent über unsere Landesgrenzen hinaus einsetzbar ist. Wir wollen damit nicht in Konkurrenz mit unseren Nachbarn treten, sondern lediglich den Bedürfnissen der Grenzgänger Rechnung tragen. Rund 100.000 Grenzgänger pendeln jeden Tag zu ihrer Arbeitsstelle in Luxemburg. In Kooperation mit der SNCF, die für die Region Lothringen fährt, rollen unsere Züge und Triebwagen bis Nancy. Züge aus Virton und Bruxelles steuern den Bahnhof Luxemburg an. Um die Pendler von der Strasse auf die Bahn zu bekommen, bieten wir ihnen Vorteile wie klimatisierte Wagen. Der Bahnhof Luxemburg wird gerade umgebaut um so dem wachsenden Strom der Bahnkunden gerecht zu werden. Das Fahrgastaufkommen stieg in den letzten Jahren um jährlich etwa 10 Prozent an. Eine gute Fahrt ist genauso wichtig wie ein guter Zugang zu den Zügen auf ihren Bahnsteigen. Die Betreiber in den Nachbarländern vertreten unterschiedliche Ansichten über den Betrieb ihrer Züge. So betreibt die Eisenbahngesellschaft SNCF selbst ihre TGV-Linie hier in Luxemburg. Verträge mit den umliegenden Staaten regeln das Fahren auf den Netzen des Nachbarn. Die deutschen Intercitys nach Luxemburg werden noch in Kooperation mit der DB gefahren. Viele dieser Leistungen erfolgen jetzt noch in staatlichem Auftrag, doch müssen wir dafür sorgen, dass es auch in Zukunft auf dem liberalisierten Markt weiterhin performante und attraktive Zugverbindungen von und nach Luxemburg geben wird.

Echo: Wo liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten der CFL und wie sieht ihre Zukunft aus?

Alex Kremer:

Güterverkehr und Personenverkehr sind gleich wichtig. Als drittes Standbein sollte aber noch unsere Infrastruktur erwähnt werden. Der Staat hat mit uns eine Konvention abgeschlossen laut der wir die bestehenden Infrastrukturen wie Gleise, Signale, Strommasten usw. warten und bei Bedarf neue Anlagen bauen. Alle diese Aktivitäten stellen in der Gewichtung jeweils etwa ein Drittel unserer Aktivitäten dar. Der Personenverkehr und die Betreuung der Infrastruktur erfolgt direkt durch die CFL, während die Frachtaktivitäten über Tochtergesellschaften erfolgen. Wachstum durch Steigerung der Fahrgastaktivitäten und Frachtaktivitäten im grenzüberschreitenden Verkehr ist für die CFL sehr wichtig. Was den Infrastruktursektor betrifft, möchte ich besonders den zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Petingen, sowie die Anbindung des Flughafens, des Kirchbergs und die Modernisierung des Bahnhofs Luxemburg erwähnen. Ziel dieser erheblichen Investitionen ist es, durch mehr Qualität und Komfort die Zahl der Bahnkunden zu erhöhen, um den Anteil des öffentlichen Transportes gegenüber dem Gesamtverkehr auf 25 Prozent zu erhöhen, was dann zu einer gewissen Entschärfung der angespannten Verkehrsituation im Grossraum der Stadt Luxemburg beitragen wird. Das neue Rollmaterial, das jetzt im Einsatz ist, bietet gute Voraussetzungen um diese Zielvorgabe zu erreichen.

Echo: Möchten Sie noch etwas zu einem anderen Punkt anmerken?

Alex Kremer:

Die Neuorientierung der CFL-Strukturen und deren Umsetzung im Rahmen der europäischen Richtlinien wird die große Herausforderung für die CFL darstellen und dies in allen Bereichen, sei es im Fracht- wie auch im Passagierbereich und den Eisenbahninfrastrukturen. Ebenso gilt es sich für die Liberalisierung des internationalen Personenverkehrs zu rüsten, wobei dies für Luxemburg im Jahr 2012 der Fall sein wird. Um in all diesen Bereichen erfolgreich mithalten zu können, sind wir auch besonders auf motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen, ohne die eine noch so ausgeklügelte Strategie nicht umgesetzt werden kann.

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