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Waldbillig – ländlicher Raum als Lebensqualität Imprimer Envoyer

Tags: Bourgmestre | Waldbillig

Magazine Echo 2008-1
waldbillig

Waldbillig – ländlicher Raum als Lebensqualität Echo sprach mit dem Waldbilliger Bürgermeister Gérard Bender über ländliche Entwicklung, Lebensqualität und den kleinen Gemeinden in ansprechender Landschaft drohenden Gefahren.

Echo:Könnten Sie sich kurz vorstellen?

Gérard Bender:

Ich bin von Beruf beigeordneter Direktor der Hotelfachschule in Diekirch und jetzt in meinem dritten Mandat als Bürgermeister. Ich leite die Geschicke der Gemeinde Waldbillig also schon längerfristig. Ich bin unpolitisch in Bezug auf Parteien, also ohne Parteikarte.

Echo: Was würden Sie als typisch für die Gemeinde Waldbillig bezeichnen?

Gérard Bender:

Typisch ist, darauf legen wir ganz großen Wert, dass wir eine ländliche Gemeinde sind und den ländlichen Charakter unbedingt bewahren möchten. Wir haben hier zwar keine Industriezone, wohl aber eine etablierte Lebensqualität für die Bürger. Wir müssen uns finanziell gesehen auf die eine oder andere Art einschränken, weil gewisse Einnahmen einfach nicht vorhanden sind. Wir sind aber der Meinung, dass unsere so gewonnene Lebensqualität dies absolut wett macht. Die Bürger sind sich darin einig, insbesondere weil wir trotzdem in den letzten Jahren praktisch jeden Service, der heute zu einer sogenannten modernen Gemeinde gehört, eingeführt haben.

Echo: Bieten Sie auch sonstige Dienstleistungen an, die eher in grossen Gemeinden oder Fusionsgemeinden vorhanden sind, wie beispielsweise eine Maison-Relais?

Gérard Bender:

Das ist das aktuelle heiße Thema, Fusionen, besseren Service usw. Ich muß immer lachen, wenn ich in Bezug auf Zusammenlegungen, Fusionen usw höre, dass die kleinen Gemeinden angeblich keine neuen Dienstleistungen einführen könnten. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln, weil ich ganz einfach anderer Meinung bin. Es entstand der Gedanke, wir sollten nur noch Gemeinden ab einer so genannten kritischen Masse an Einwohnern haben. Ich kann einfach die Notwendigkeit der kritischen Masse nicht erkennen. Für mich ist das ganze Thema eine parteipolitische Geschichte.Wir sind zwar eine Gemeinde von um die 1.400 Einwohnern, die keine kritische Masse aufweist, bieten dafür aber trotzem neben den normalen Dienstleistungen zum Beispiel noch eine Maison Relais, die Education précoce, usw. Selbstverständlich gibt es hier einen Kindergarten, eine Grundschule oder eine große Sporthalle. Wir haben eigene Quellen und produzieren unser Wasser selbst. Eine eigene Kläranlage klärt das Abwasser. Wir haben aber dadurch, dass wir eine kleine Gemeinde sind, eine große Nähe zum Bürger und bieten so einen hervorragenden Service.

Echo: Könnten Sie ein Beispiel nennen?

Gérard Bender:

Jemand braucht einen neuen Pass und geht in seine Gemeinde. Dann sagt der Beamte, er brauche ein biometrisches Foto. Der Beamte sagt, dass er eine Kopie des Belegs braucht, dass die 30 Euro Gebühr überwiesen wurden. Es fällt einem ein, dass man das nicht getan hat. Dann bittet der Beamte einen mit dem Beleg zurück zu kommen. Bei unserem Beamten wäre dies aber kein Problem. Der Bürger kriegt eine Rechnung von der Gemeinde und die Zahlung erfolgt im Rathaus per Internet. Somit hat man Zeit gespart und der Bürger zufrieden, denn der Service stimmte. Das ist nur ein Beispiel unserer Bürgernähe. Die Beamten und die Politiker der kleineren Gemeinden kennen die Leute fast alle persönlich. Es ist daher einfach auch kurzfristig mit den Verantwortlichen zu reden. Der gute Service ist auch die Politik der kurzen Wege und nicht die Politik des umfangreichen schwerfälligen Verwaltungsapparates. Wir haben nur zwei Beamte und alles funktioniert tadellos. Deshalb verstehe ich die Geschichte von der kritischen Masse einfach nicht. Es sei denn, es versteckt sich der Wille der parteipolitischen Ideologie dahinter.

Echo: Ist Waldbillig vor allem eine auf den Tourismus zentrierte Gemeinde ist?

Gérard Bender:

So würde ich es nicht formulieren. Wir befinden uns natürlich im Zentrum des Mullerthals. Wir haben aber äußerst wenige touristische Infrastrukturen, abgesehen von dem ein oder anderen Hotel. Ich glaube, es gibt in der Gemeinde nur noch ein oder zwei Bistros. Trotzdem bin ich aber der Meinung, dass unsere Gemeinde mit zu den treibenden Kräften in punkto Tourismus gehören soll. Im Mullerthal war der Tourismus in den letzten Jahren stark rückläufig. Ich bin natürlich in meiner Tätigkeit als Bürgermeister in den zuständigen Gremien, wie der Entente touristique oder in dem neu kreierten ORT als Vizepräsident tätig. Wir haben ein enormes Potential und müssen nur unser Marketing und unsere gesamten Strategien wesentlich aggressiver gestalten. Dank unserer Natur kriegen wir dies garantiert noch in den Griff. Erst vor kurzem ist mit Hilfe der LEADER-Initiative und europäischen, nationalen und kommunalen Geldern der Mullerthal Trail mit 100 Kilometern langen, nach einem internationalen Schema beschilderten Wanderwegen in unserer Gegend realisiert worden. Unsere deutschen Nachbarn, die ganz viel wandern, kommen gezielt zum Mullerthal Trail. Die Hotels und Restaurants müssen ein wenig umdenken und können als Gastwirt kaum mehr sagen, man lasse einen Gast mit schmutzigen Wanderschuhen nicht eintreten. Dann kommen mehr Kunden. Nebst der Fahrradpiste gibt es noch Orte wie Echternach und Befort als besondere Attraktionen. Das Einzige, was uns oft fehlt, ist schöneres Wetter. Ich bin trotz einiger Schwierigkeiten und kleineren lokale Problemen absolut optimistisch.

Echo: Was würden Sie als Ihre wichtigsten Projekte der letzten Jahren bezeichnen?

Gérard Bender:

Wir weihten 1998 eine neue Schule ein. Uns wurde daraufhin vorgeworfen, wir wären größenwahnsinnig, eine so große Schule zu bauen. Nur 10 Jahre später mussten wir die verfügbaren Plätze bereits mehr als verdoppeln. Dienstleistungen wie Maison Relais, Kindergarten, usw braucht eine Gemeinde. Als kleine Gemeinde sind das alles grosse Ausgaben und so gibt es nur wenig Spielraum. Wir bauten ein neues Gemeindehaus, da wir vorher in einem Betonklotz mit nur einem Büro und Sitzungsraum arbeiteten. Das neue Gemeindehaus war somit eine Notwendigkeit und kein Luxus. Ein Projekt, das mir schon seit Jahren am Herzen liegt, ist die Renovierung der alten Mühle im Mullerthal. Im Mullerthal gab es früher eine ganze Anzahl Mühlen, daher der Name. Die einzige noch vorhandene Mühle wurde vor Jahren von meinem Vorgänger gekauft. Beim Kauf der Mühle versprach der Tourismusminister sich an touristischen Projekten betreffend die Mühle finanziell zu beteiligen. Andere Projekte wie Schulen waren aber natürlich wichtiger. Nun wird die Mühle komplett renoviert. Es entsteht ein Informationszentrum übers Mullerthal, eventuell auch den Naturpark Mullerthal, mit Büros und Einkehrmöglichkeiten. In einer Scheune wird ein Bistro, ein kleines Restaurant mit einem Ofen untergebracht. Vieles wird mit einheimischem Holz ausgebaut. Das kostet eine Stange Geld. Wir hoffen, Ende des Jahres Eröffnung feiern zu können. Indoormöglichkeiten fehlten hier. Wenn es regnet, bleiben die Touristen in ihren Hotelzimmern sitzen. Das machen die Touristen aber nicht lange mit. Sie fahren nächstes Mal nach Teneriffa, was trotz besserem Wetter auch nicht viel teuerer ist. Wir müssen unsere Natur in den Vordergrund stellen, da sie einzigartig ist. Wenn es regnet, müssen wir den Touristen Möglichkeiten bieten, an Aktivitäten unter einem Dach teil zu nehmen. Die Mühle bietet Familien mit Kindern die Möglichkeit zu einem zivilen Preis zu essen und die Kinder zu beschäftigen. Solche Dinge haben hier gefehlt.

Echo: Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Gérard Bender:

Gemeinderat und Schöffenrat sind ein gut eingespieltes Team. Es sind auch einige junge Kollegen dabei. Irgendwann muß man Platz machen. Wir sind eine ländliche Gemeinde und diesen Charakter wollen wir absolut behalten. Deshalb sind wir permanent im Clinch mit der landesplanerischen Optik. Wenn wir den ländlichen Charakter behalten wollen, müssen wir auch die ländliche Bauweise erhalten. Wir können hier also nicht massenweise Residenzen bauen. Vernünftige Baugrundstücke sollten mindestens 5 bis 6 Ar gross sein. Auf kleineren Grundstücken werden auch kleinere Häuser gebaut. Bei der Geburt von Kindern werden die dann weiter ausgebaut. Im folgenden Jahr möchten die Eltern die Garage zum Schlafzimmer umfunktionieren, ein neues Carport oder Wintergarten anbauen und so weiter. So erhalten wir eine unmögliche Bausituation, gekoppelt mit manch anderen Problemen, Der ländliche Charakter verschwindet und mit ihm die entsprechende Bauweise, was nicht sein darf. Der ländliche Raum soll aber ländlicher Raum bleiben und die Bauweise dementsprechend sein. Viele alte Höfe stellen irgendwann den Betrieb ein, deren Besitzer siedeln aus und die Höfe werden verkauft. Immobilienmakler sehen diese riesige Bausubstanz und wollen natürlich ein Maximum an Profit daraus ziehen. Möglichst viele Appartements werden dort eingerichtet. Die lokalen Infrastrukturen sind nicht dafür ausgelegt. Stellen Sie sich mal ein Dorf mit 300 Haushalten vor, wo wegen den Appartements plötzlich innerhalb von zwei Jahren die Einwohnerzahl auf 500 steigt. Das ist doch unmöglich. Man bedenke die Konsequenzen solchen Wachstums. Neue Schulen und Kindergärten müßten gebaut werden. Nach 10 bis 15 Jahren würden grosse Teile dieser Gebäude wieder leer stehen, da die Kinder nicht mehr da, beziehungsweise in einer weiter führenden Schule sind. Das sind Fehlinvestitionen. Wir können nicht Millionen öffentlicher Gelder in Infrastrukturen investieren, die nur 10 bis 15 Jahre genutzt werden. Solche Investitionen müssen für einen viel längeren Zeitraum getätigt werden. Für uns gibt es daher nur eine Möglichkeit: Wachstum ja, aber schön langsam! Es funktioniert aber nur mit Hilfe einer geregelten Bebauungspolitik. Da sind wir als Bürgermeister und Schöffenrat schnell immer die Bösen, weil das gewissen Leuten nicht erlaubt, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Wenn man das erlaube, gingen die durch die Bauvorhaben verursachten Kosten zu Lasten der Allgemeinheit. Es geht aber nicht, dass sich ein paar Leute so auf Kosten der Allgemeinheit bereichern. Wir sind als Schöffen-und Gemeinderat auf jeden Fall fest gewillt, die Gemeinde Waldbillig vor solchen Fehlrichtungen zu schützen und versuchen den jetztigen Charakter dieser Gemeinde zu bewahren und fest zu verankern.

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