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Die Blumenuhr in Differdingen feiert ihr 75. Jubiläum Imprimer Envoyer

Tags: Differdange

Magazine Architecture & Bâtiment 2009-99

04-blumenuhr-differdingen

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In diesem zu Ende gehenden Jahr 2008 konnte die herrliche Blumenuhr am Eingang des Parc Gerlache in Differdingen - mit dem Greyträger und dem nahe gelegenen Pavillon eines der Wahrzeichen der Stadt Differdingen -ihr 75Jubiläum feiern.

In der Tat,seit 1933 bereits zählt sie die Minuten und besonders die Viertel-stunden, denn der Zwerg in seinem kleinen Pavillon schlägt alle 15 Minuten weit hörbar gegen die Glocke.

Ein neuer Stadtpark entsteht

Bereits im Jahre 1912 beschloss die Gemeindeverwaltung Differdingen, einen Stadtpark anzulegen. Die Wahl fiel auf den Anhöhen rund um Differdingen auf den Park Grouwen,der kürzlich in etwa wieder mit demselben

Aussehen hergerichtet wurde wie damals. 1913 wurde der Park einge-weiht, doch später geriet er nach dem Anlegen des heutigen Stadtparks in Vergessenheit, nicht zuletzt infolge der drohenden Einsturzgefahr, da das gesamte Gelände durch die Eisenerz-gruben unterhöhlt ist.

Im Jahre 1920 traf die Gemeindeverwaltung Differdingen den Entschluss, das Gelände des heutigen Parc Gerlache anzukaufen.

Im Jahre 1925 wurde im Zentrum der Stadt Differdingen der heutige Park angelegt,an eben jener Stelle, wo sich früher der Park des zur Seite der heutigen Rue Emile Mark - der damaligen Max Meier-Straße - gelegenen Schlos-ses der adligen Familie de Gerlache befand.

Der Park mit dem vorgelagerten Schloss hatte in etwa die Ausmaße der heutigen Anlage und wurde von der Max Meier-Straße, die später in Rue Emile Mark umgetauft wurde,der heutigen Michel Rodange-Straße und der heutigen Rue Adolphe Krieps abge-grenzt. Der Eingang des Parks befand sich etwa auf der Höhe des Pavillons an der Ecke der Rue Adolphe Krieps und der Rue de la Grève Nationale.

Im Jahre 1920 hatte die Gemeindeverwaltung den Gerlache-Park also als Areal von 1,70 ha gekauft. Architekt Traus entwarf den Plan im Hinblick auf die Modernisierung des Parks.Der Ent-wurf wurde von Geheimrat Stübben leicht abgeändert und anschließend dem Gemeinderat zur Durchführung empfohlen.Gemäß Plan wurden lediglich 66 Ar für den Stadtpark genutzt.

Der neue Stadtpark wurde im Jahre 1925 offiziell eingeweiht.

Das Modell stand in Interlaken

Anlässlich eines Aufenthaltes in Beglei-tung der „Harmonie Municipale“ aus Differdingen in Interlaken stieß der damalige liberale Bürgermeister Emile Mark dort auf eine Blumenuhr, die ihn unverzüglich begeisterte.

Und so fasste er den Plan, eine solche auch am Eingang zum Stadtpark in Differdingen anlegen zu lassen. Ihm zur Seite standen für die Verwirklichung des Planes Stadtingenieur Léon Tockert und Dienstchef Nicolas Anton.

Den Plan für dieses Vorhaben entwarf Werksmeister Jean Schwickerath,Groß-/... vater des am 29.März 1996 in Differdingen verstorbenen Juweliers und Orga-nisten Pierre Schwickerath;jener hatte in Jünkerath in der Eifel das Licht der Welt erblickt. Er wurde von der Gesell-schaft der deutschen Eisenhütte in Differdingen zwecks Einführung der Elek-trifizierung bei der Eisenhütte Thyssen ausgeliehen. In Differdingen bezog er Quartier im Restaurant Thiry, das von den Eltern des später an der Ecke der Rue Kennedy und der Avenue Charlotte ansässigen Elektrikermeisters Victor Thiry, betrieben wurde.

Aus Rücksicht auf seine fünf Söhne, die bereits in Differdingen die Schule besuchten, traf Jean Schwickerath jedoch die Entscheidung,endgültig in Differdingen zu bleiben,wo er weiter-hin als Werksmeister auf dem Hüttenwerk arbeitete.

Jean Schwickerath entwarf die Pläne der Blumenuhr und einer weiteren Uhr, die für die Ortschaft Hussigny im nahen Frankreich bestimmt war.Das mechani-sche Werk der Blumenuhr wurde in den Werkstätten der Gemeinde Differdingen unter Leitung des damaligen Werk-stättenmeisters Moritz, Vater der in Luxemburg als Lehrerin wirkenden Jeanny Moritz, angefertigt. Die meiste Arbeit leistete Camille Specht aus Ober-korn, der die Metallplatten zurecht schnitt und nach Maß feilte. Jeden Tag,des öfteren sogar mehrmals am Tag, suchte Jean Schwickerath „seine“ Uhr im Stadtpark auf und schlüpfte in das Untergeschoss der Uhr,in dem das Getriebe der Uhr unter gebracht ist. Er zog die Uhr auf, über-prüfte das Werk und behob unverzüglich alle Unregelmäßigkeiten und Unzulänglichkeiten des mechanischen Werkes. Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das mechanische Uhrwerk durch ein elektrisches ersetzt.

Dass Jean Schwickerath geradezu ein Experte in Sachen Uhrwerk war, geht allein schon aus folgender Begebenheit hervor:Einmal hatte das Uhrwerk an der Kathedrale von Straßburg ausgesetzt. Die Verantwortlichen hatten von der Schaffung Jean Schwickeraths in Differdingen gehört und verpflichteten ihn nach Straßburg, um nach dem Rechten zu sehen. Er begab sich deshalb unverzüglich in die elsässische Metropole und es gelang ihm, das Uhrwerk tat-sächlich wieder instand zu setzen.

Der Zwerg, sein Häuschen und das Schlagwerk des Zwerges wurden erst im Jahre 1935 fertig gestellt.Das Türm-chen, unter dem der Zwerg ein Zuhau-se fand, wurde in der Schreinerei angefertigt, in der Michel Ralinger mit Hand anlegte.

Ein trauriger Zufall wollte es, dass der Zwerg erstmals an dem Tage die Stun-de schlug, als Bürgermeister Emile Mark, der die Idee zur Schaffung der Blumenuhr gehabt hatte, begraben wurde.

Die Stadtgärtnerei zeichnet für die Blumenpracht verantwortlich

Jedes Jahr, in der Regel zur Kirmes am ersten Sonntag im Mai, setzen sich seit vielen Jahren bereits die Gärtner der Stadt Differdingen an die Arbeit,um die Blumenuhr mit der möglichst schöns-ten Blumenpracht auszustatten.

In den Vorjahren zeichneten Dienstchef Louis Parisot,Werksmeister Dario Della Siega,die beiden Vorarbeiter Jean-Paul Dahm und Armand Berens mit mehre-ren Mitarbeitern für die Gestaltung der Blumenuhr verantwortlich.

Früher wurden die Pflanzen und Blu-men in der Gemeindegärtnerei in Dif-ferdingen selbst gezüchtet, in den nachfolgenden Jahren wurden sie jedoch kurzerhand angekauft, da die Wartung in der eigenen Gärtnerei einer besonderen Pflege und Sorgfalt bedarf.

In der Regel wurden für die Bepflan-zung der Uhr,die neun Meter im Durch-messer hat,rund 12.500 Pflanzen benö-tigt. Da das Muster von Jahr zu Jahr nach einer der zahlreichen in der Gärtnerei zur Verfügung stehenden Schab-lonen wechselte, wurden die Pflanzen und Blumen alljährlich den Erfordernissen der Schablone angepasst. Die am meisten verwendeten Blumen und Pflanzen waren und sind folgende: Echeveria, Alternanthera versicolor, Alternanthera aurea, Alternanthera amoena, Agaven, Phoenix und Ageratum.

An die 160 Arbeitsstunden stehen jedes Jahr an, damit ein fertiges Bild entsteht,das weit und breit seinesglei-chen sucht.Zu Beginn des Jahres,sobald die Witte-rung es erlaubt, wird das Rund vor Ostern mit etwa 1200 Stiefmütterchen in den verschiedensten Farben bepflanzt.Später dann folgt die eigentliche Blumenpracht. Sehr zum Leidwesen der Einwohner verzichtete die Gemeindeverwaltung in den vergangenen Jahren verschie-dentlich auf eine angemessene Blumenpracht, wohl wegen der zahlreichen Vandalismusakte, die jedes Jahr mit Zehntausenden von Euros zu Buche schlugen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges,zwi-schen 1942 bis 1945, verboten die Okkupanten den Stadtgärtnern, die Blumenuhr anzupflanzen und das Uhr-werk arbeiten zu lassen mit dem Vor-wand,die Gärtner hätten ausschließlich Gemüse,und nicht Blumen,zu züchten.

In der Gemeindegärtnerei in der Spital-straße in Differdingen wohnte damals der Gemeindegärtner Jean Uhres. Ihm ist es zu verdanken, dass die zur Anpflanzung der Blumenuhr benötig-ten Blumenarten im Geheimen gehegt und gepflegt wurden, so dass die Blumenuhr unverzüglich nach der Befrei-ung im Jahre 1945 wieder angepflanzt werden konnte.

Mitte der fünfziger Jahre erhielt der Zwerg Gesellschaft: zu jeder vollen Stunde drehte sich ein Kreis mit den 12 Aposteln. Diese neue Einrichtung überdauerte jedoch drei Jahre nicht, da die Einrichtung Vandalen zum Opfer fiel.

Nicht Vandalen, sondern ein und der-selbe Mitbürger aus Differdingen ent-wendete den Zwerg gleich zweimal: einmal in der Nacht vom 11.auf den 12. Juli 1982,im Anschluss an das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Instink-tiv suchte die Gendarmerie unter den begeisterten Fans der „Squadra Azzu-ra“, die das Endspiel für sich entschie-den hatte, und wurde tatsächlich fün-dig. Später wurde der Zwerg ein weiteres Mal entwendet, und wieder fand die Polizei ihn auf einen anony-men Anruf hin im Schrank eines Ein-wohners aus Differdingen, man sehe und staune: derselbe, der den Frevel bereits einmal begangen hatte.

Seit nunmehr 75 Jahren, mit Ausnahme der Kriegsjahre und einiger Monate,da er entwendet war, schlägt der Zwerg verlässlich und treu die Zeit, die frohen wie die traurigen. Als solcher gehört er als Sehenswürdigkeit zu den Wahrzei-chen der Stadt wie das Amen im Gebet.

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