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Bourscheid - Öslinger Gemeinde im Schatten der Burg Imprimer Envoyer

Tags: Bourgmestre | Bourscheid

Magazine Echo 2009-3

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Echo:

Könnten Sie sich den Lesern kurz vorstellen?

Annie Nickels-Theis:

Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet, Hausfrau und Mutter von zwei Kindern. Ich wohne in Lippscheid. Das erste Mal kandidierte ich im Jahre 2000. Dann war ich sechs Jahre im Gemeinderat tätig und bin nun Bürgermeisterin.

Ich fühle mich seit meiner Kindheit mit der Politik verbunden. Mein Vater war über 20 Jahre im Gemeinderat tätig. Deshalb liegt mir die Gemeindearbeit im Blut. Ich habe mich schon immer dafür interessiert.

Echo:

Was ist Ihrer Meinung nach typisch für die Gemeinde Bourscheid?

Annie Nickels-Theis:

Bourscheid ist eine sehr spezifische Gemeinde mit einer schwierigen Topographie. Es gibt hier keine Industrie. Landwirtschaft und Tourismus sind prägend für unsere Gemeinde. Wir haben das große Glück, eine mittelalterliche Burg in unserer Gemeinde zu haben. Die Burg zieht jedes Jahr rund 30.000 Touristen an. Es gibt eine Reihe Hotels und Campingbetriebe in der Gemeinde. Diese Betriebe leben natürlich vom Tourismus. Die Touristen kommen gerne zu uns und schätzen die sehr schönen Wanderwege und herrliche Natur.

Echo:

Wie groß ist die Gemeinde?

Annie Nickels-Theis:

Die Gemeinde Bourscheid hat eine Fläche von 3.686 Hektar. Die Gemeinde besteht aus sieben Dörfern. Bourscheid und Kehmen liegen beispielsweise auf dem Plateau. Welscheid liegt im Warktal. Michelau liegt dagegen im Sauertal. Durch die Gemeinde laufen die Flüsse Sauer, Blees und Wark.

Echo:

Welche Probleme ergeben sich aus der schwierigen Topographie?

Annie Nickels-Theis:

Die einzelnen Ortschaften liegen weit auseinander. Bourscheid liegt auf der Höhe und Welscheid unten im Tal. Die sehr kurvenreichen Straßen sind eine Attraktion für die Touristen. Die Bürger schätzen die kurvenreichen Straßen weniger. Die Kinder aus sämtlichen zur Gemeinde gehörenden Ortschaften werden mit 3 Bussen zur zentralen Schule in Bourscheid gefahren. Manche Kinder sind wegen der kurvenreichen Strassen mehr als eine halbe Stunde lang mit dem Bus unterwegs. Das ist der Nachteil unserer Topographie.

Echo:

Wie sieht es mit dem öffentlichen Transport aus?

Annie Nickels-Theis:

Es gibt einen Bahnhof in Michelau und in Goebelsmühle. Es gibt Busverbindungen in Richtung Diekirch und Ettelbrück. Um den öffentlhen Transport innerhalb der Gemeinde ist es also recht gut bestellt. Weil die Sauer die Gemeinde teilt, gibt es keine Verbindung zwischen beiden Seiten. Auf der einen Seite der Sauer liegen die Dörfer Bourscheid, Kehmen, Welscheid und Scheidel, auf der anderen Seite Schlindermaerscheid, Goebelsmühle, Lipperscheid und Michelau. Diese Dörfer sind nicht durch den öffentlichen Transport miteinander verbunden. Es ist also nicht möglich, von Bourscheid nach Lipperscheid zu fahren. Man muss zuerst nach Ettelbrück fahren und dann mit einer anderen Buslinie zurück kehren.

Das ist natürlich ein Nachteil. Viele Bürger parken ihre Autos am Bahnhof und fahren dann mit dem Zug nach Luxemburg, Diekirch oder Ettelbrück. Ein anderer großer Vorteil unserer Gemeinde ist unsere Lage direkt an der N 7. Die N 27 verläuft auch durch unsere Gemeinde. Außerdem liegen wir ganz nah an der N 15. Verkehrstechnisch gesehen ist unsere Gemeinde also ideal plaziert.

Echo:

Gibt es in der Gemeinde Bourscheid eine Maison Relais oder Krippen?

Annie Nickels-Theis:

Im April 2008 wurde unsere Maison Relais eröffnet. Kinder bis 12 Jahre werden dort an fünf Tagen pro Woche betreut. Die Schulkantine ist wegen der großen Nachfrage während der ganzen Schulwoche geöffnet. Eine Hausaufgabenhilfe ergänzt das Angebot. Unsere Gemeinde steht also, was die Ganztagsbetreuung betrifft, sehr gut da. 150 Kinder besuchen unsere Grundschule. 50 Kinder essen bereits in der Schulkantine. Wir haben diesbezüglich also den richtigen Weg eingeschlagen.

Echo:

Was für eine Rolle spielt die Burg für Bourscheid?

Annie Nickels-Theis:

Die Burg spielt in unserer Gemeinde die Hauptrolle.

Durch den großen Touristenansturm ist unsere Gemeinde natürlich gefordert. Viele touristische Familienbetriebe haben sich schon vor vielen Jahren fest etabliert und leben vom Tourismus. Ohne die Burg kämen weitaus weniger Touristen. Auf der Burg finden viele kulturelle Veranstaungen statt, wie zum Beispiel ein großes mittelalterliches Burgfest am 12. Juli 2009. An solchen Tagen kommen Bürger aus dem ganzen Land hierher. Dies ist eine gute Werbung für unsere Region.

Echo:

Gibt es in der Gemeinde Bourscheid Hochwasserprobleme?

Annie Nickels-Theis:

Unsere Gemeinde bleibt nicht immer vom Hochwasser verschont. Anfang der 90er Jahre gab es Hochwasserkatastrophen. Sauer und Wark sorgten für Überschwemmungen. Inzwischen wurden aber Rückhaltebecken gebaut und so die Hochwasserproblematik deutlich entschärft.

Echo:

Welche Projekte der letzten Jahre waren für Sie besonders wichtig?

Annie Nickels-Theis:

Ich bin Hausfrau und Mutter und setze deshalb als Frau vielleicht andere Prioritäten. Die Schulerweiterung war für mich ein bedeutendes Projekt. Sie wurde aber schon vom vorherigen Gemeinderat in Angriff genommen. Unter meiner Regentschaft wurde die Maison Relais eingerichtet. Wir wissen, dass unsere Bürger solche Infrastrukturen benötigen. Momentan läuft ein großes Projekt in Schlindermanderscheid. Weit über 3 Millionen Euro kostet die komplette Erneuerung des Dorfes. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, werden alle Dörfer unserer Gemeinde in einem sehr guten Zustand sein. Momentan läuft die Planung für eine vierte Kläranlage. Die Bourscheider Kläranlage muss vergrößert werden. Die Kläranlagen sind gerade für den Naturschutz sehr wichtig.

Echo:

Wie stehen Sie eigentlich zum Thema Fusionen im Hinblick auf die Zukunft der Gemeinde?

Annie Nickels-Theis:

Ich halte die Förderung von Fusionen für eine gute Idee. Eine Gemeinde ist heutzutage nur noch mit genügend Ressourcen überlebensfä- hig. Eine größere Gemeinde hat daher Vorteile. Die Zukunft unserer Gmeinde Bourscheid vorher zu sagen, ist schwierig. Von der Kartographie her ist vorgesehen, dass wir mit der Gemeinde Feulen fusionieren. Wir kämen aber trotz dieser Fusion immer noch nicht auf die nötige Zahl von 3.000 Einwohnern. Weitere Probleme sind, dass es keinen direkten Weg nach Feulen gibt und auch keine kommunale Zusammenarbeit besteht. Die Bürger unserer Gemeinde orientieren sich eher an der Nordstadt. Die Kontakte nach Feulen sind hingegen minimal. Ein zusätzliches Problem ist die große Entfernung zwischen den Gemeinden Bourscheid und Feulen. Für die Gemeinde Bourscheid ist es laut Meinung des gesamten Gemeinderates momentan die beste Lösung, selbstständig zu bleiben. Wir haben noch genügende Kapazitäten an Bauland. Wir könnten ohne Fusion auf 3.000 Einwohner kommen. Wir wollen aber in den nächsten Jahren keine explodierenden Einwohnerzahlen. Zur Zeit haben wir 1.350 Einwohner. Zukünftig können wir aber wahrscheinlich alle Dienstleistungen anbieten. Bourscheid hätte viele Fusions-Möglichkeiten, da wir elf Nachbargemeinden haben. Wir werden mal sehen, was die Zukunft bringt!

Administration communale de Bourscheid

1, Schlasswee
L-9140 Bourscheid
Tél.: 00352 99 03 57
Fax: 00352 90 80 50
e-mail: secretariat@bourscheid.lu
www.bourscheid.lu

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