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Betzdorf - Eine Gemeinde nutzt den Wandel als Chance Imprimer Envoyer

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Magazine Echo 2008-4

Betzdorf

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Echo: Frau Frank, könnten Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?

Marie Josée Frank:

Ich bin gelernte Krankenschwester in der Palliativpflege. Seit 1996 bin ich politisch aktiv. Im Jahre 1999 fragte mich die CSV, ob ich bei den Nationalwahlen kandidieren möchte und ich sagte zu, obwohl ich eigentlich nie Ambitionen hatte, mich in der Landespolitik zu engagieren. Über meine Wahl war ich überrascht. Nach den Gemeindewahlen im Oktober 1999 übernahm ich als Erstgewählte im Januar 2000 die Geschicke der Gemeinde Betzdorf. Ich schätze dieses Amt, da es durch Bürgernähe gekennzeichnet ist und da man viele „kleine“ Probleme unkompliziert lösen kann. Ich bin also seit zwei Wahlperioden Bürgermeisterin sowie Abgeordnete und engagiere mich zusätzlich gern im sozialen Bereich.

Echo: Was ist typisch für die Gemeinde Betzdorf?

Marie Josée Frank:

Als erstes möchte ich betonen, dass Betzdorf eine Gemeinde im Wandel ist. Wir haben in den letzten 8 Jahren eine gewaltige Entwicklung erlebt. Die Erstellung eines Entwicklungsplans für unsere Gemeinde war sehr wichtig, dieses Dokument dient als Planungsgrundlage für all unsere Projekte. In unserer Schöffenratserklärung von 2000 hatten wir drei Schwerpunkte: 1. den Bau eines neuen Schulund Sportcampus 2. die Errichtung einer Kläranlage und 3. das Anlegen eines Fußballplatzes. Diese Projekte sind alle erfolgreich umgesetzt worden. 2006 haben wir zudem den europäischen Dorferneuerungspreis als Gemeinde im Wandel erhalten, weil wir den Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts Rechnung getragen und innovative Projekte realisiert haben. Wir waren sehr stolz über diese europäische Auszeichnung. Typisch für unsere Gemeinde ist auch der Siedlungsdruck. Als Randgemeinde der Stadt Luxemburg sind wir für viele Bürger eine attraktive Wohngemeinde. Deshalb wächst die Bevölkerung der Gemeinde Betzdorf rasant. Zum Vergleich: 2004 lag der Einwohnerstand bei 2.605, heute zählen wir 3.112 Einwohner. Das Entwicklungspotential in punkto Bevölkerung ist also enorm.

Echo: Wie sieht es mit den Infrastrukturen in Ihrer Gemeinde aus?

Marie Josée Frank:

Wir haben sehr viel in Infrastrukturen investiert, so zum Beispiel in die Straßenerneuerung und die Wasserversorgung. Die Kläranlage, die in Betzdorf gebaut wurde, ist zukunftsweisend für etwa 11.000 Einwohner dimensioniert. Auch beim Bau des Schulcampus wurde die künftige Bevölkerungsentwicklung mitberücksichtigt. Auf dem Gelände des Schulcampus befinden sich eine Primärschule mit 18 Klassensälen, eine regionale „Education Différenciée“ (Einrichtung für lernschwächere Schüler), ein Sportkomplex mit Sporthalle und Tennisfeld, sowie eine Betreuungseinrichtung „Maison Relais“ für Säuglinge von 3 bis 18 Monaten, für Kleinkinder von 18 Monaten bis 3 Jahren und für Kinder von 3 bis 12 Jahren. In der Maison Relais sind derzeit 280 Kinder eingeschrieben. Wir denken jetzt schon über eine Vergrößerung nach, da der Bedarf an Krippenplätzen sehr hoch ist. Wir planen ebenfalls, für Kinder und Jugendliche, die in keinem Verein organisiert sind, eine außerschulische Betreuungsstruktur zu schaffen. Die Ergebnisse des Jugendkommunalplans werden wir dabei mit einfließen lassen. Das wird ein weiteres wichtiges Projekt werden. Bei der Erarbeitung des Projekts „Schulcampus“ setzten wir auf eine große Bürgerbeteiligung, effektiv haben über 100 Bürger intensiv an der Planung und Gestaltung mitgewirkt. Was die Schaffung von Wohnraum betrifft, so sind wir als Gemeinde auch aktiv.Wir werden in naher Zukunft den „Pacte Logement“ unterzeichnen und Wohnraum für alle Generationen schaffen, auch für jüngere Leute mit geringerem Einkommen.

Echo: Wie sieht es mit dem Naturschutz in Betzdorf aus?

Marie Josée Frank:

Ein beispielhaftes Projekt im Sinne der Ökologie ist die Renaturierungszone „Brill“ in Mensdorf. In diesem Feuchtgebiet hat sich mittlerweile eine wunderbare Flora und Fauna entwickelt. 3 Landwirte waren bereit, eine extensive Landwirtschaft zu betreiben. Staatliche Fördergelder garantieren, dass sich dies für die Landwirte rentiert. Es gibt landesweit bereits eine große Nachfrage nach dem ökologisch produzierten Fleisch aus unserer Gemeinde. Unsere Gemeinde hat im Schutzgebiet 20 Hektar Land vom insgesamt 49 Hektar großen Schutzgebiet gekauft. Am Projekt sind ebenfalls der Natur- und Vogelschutzverein sowie die Gemeinden Niederanven und Schüttringen beteiligt.

Echo: Wie kamen die Satelliten der Firma SES Astra nach Betzdorf?

Marie Josée Frank:

Eine amerikanische Firma hatte sich schon verschiedene Standorte in der Region angeschaut. Der heutige Standort der Astra gefiel den Verantwortlichen jedoch auf Anhieb. Die Firma SES Astra ist sicherlich ein Glücksfall für unsere Gemeinde. Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, vor der Ansiedlung der Firma, stand die Gemeinde Betzdorf finanziell gesehen ganz schlecht da. Durch die Satellitenanlagen ist Betzdorf weltbekannt geworden. Von hier aus werden Fernsehsendungen in alle Welt übertragen.

Echo: Gibt es in der Gemeinde viele Arbeitsplätze?

Marie Josée Frank:

Insgesamt haben wir über 1.000 Arbeitsplätze in der Gemeinde, wovon über 300 Personen Personen allein bei der SES Astra arbeiten. Weitere bedeutende Arbeitgeber sind die Firmen Panelux und Duscholux mit ca. 500 bzw. 75 Arbeitsplätzen.

Echo: Was halten Sie eigentlich von Gemeindefusionen?

Marie Josée Frank:

Wir brauchen im 21. Jahrhundert Gemeinden, die professionell funktionieren. Nicht alle kleineren Gemeinden können diese Ansprüche adäquat allein erfüllen. Deshalb bin ich für Kooperation zwischen den Gemeinden. Wir arbeiten bereits mit den Gemeinden Biwer und Niederanven zusammen. Ich denke die Idee der Gemeindefusionen ist langfristig gesehen eine positive Perspektive für die Zukunft.

Echo: Wie wichtig ist die Integration in Ihrer Gemeinde?

Marie Josée Frank:

In Betzdorf ist ein Institut für Behinderte ansässig, in dem 111 Menschen betreut werden. Ich bin froh, Bürgermeisterin einer Gemeinde zu sein, die auch ein offenes Herz für Menschen mit einer körperlichen oder seelischen Behinderung hat. Die Integration der Behinderten ist sehr wichtig. Integration im Allgemeinen ist eine ganz große Herausforderung des 21. Jahrhunderts für alle Gemeinden. Wenn man bedenkt, dass der Anteil nicht-luxemburgischer Bürger in den nächsten Jahren immer größer wird, dann ist es sehr wichtig, integrationsfördernde Projekte einzuleiten. Allein in unserer Gemeinde liegt der Ausländeranteil bei 34 Prozent. 51 Nationalitäten sind dabei vertreten. Ich hoffe, dass uns die Integration dieser unterschiedlichen Menschen in unser Gemeindeleben gelingen wird. Ein erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung war die Teilnahme am „Europäischen Nachbarschaftsfest“. Hunderte Bürger beteiligten sich an verschiedenen Aktivitäten. Ein weiterer Sorgenfaktor bedeutet für mich die wachsende Zahl von Alleinerziehenden und die Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft unterhalb der Armutsgrenze leben. Auch sie brauchen eine spezifische Betreuung. Auch sollten die Generationen besser zu einander finden. Sogenannte Mehrgenerationenhäuser könnten dazu dienen. Zudem gibt es immer mehr junge Leute, auch Bürger aus der Mittelschicht und ältere Bürger, die es sich finanziell nicht mehr leisten können, alleine zu wohnen. Wir möchten uns in nächster Zeit solche Projekte anschauen. Abschließend könnte man sagen: Wandel als Chance oder ohne Wandel keinen Fortschrit

Commune de Betzdorf

11, rue du château
L-6922 Berg
Tel: 770049-1
Email: info@betzdorf.lu
B.P. 2 - L-6901 Roodt-Syre
www.betzdorf.lu

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